Folge 6: Buchmessen und ihre Geschichte (mit Oliver Zille)

Shownotes

Was macht Buchmessen eigentlich aus – früher und heute? Sind sie nur Treffpunkte der Branche oder auch politische Bühnen? Erika Thomalla und Mladen Gladic werfen einen Blick auf die historische Entwicklung der Buchmessen seit dem 15. Jahrhundert und sprechen mit Oliver Zille, dem langjährigen prägenden Kopf der Leipziger Buchmesse. Wie politisch sind Buchmessen wirklich? Warum ist persönliche Präsenz in Zeiten der Digitalisierung noch so wichtig? Und worin unterscheiden sich Leipzig und Frankfurt?

Weiterführende Links und Informationen:

Die Anekdote über den „Messemantel“ stammt aus Uwe Tellkamps Roman „Der Turm“, der 2008 bei Suhrkamp erschienen ist.

Die genannte Studie von Patricia F. Blume heißt „Die Geschichte der Leipziger Buchmesse in der DDR. Literaturtransfer, Buchhandel und Kulturpolitik in deutsch-deutscher Dimension“. Erschienen ist sie 2024 bei De Gruyter.

Über die lange Vorgeschichte der Frankfurter Buchmesse erfährt man viel in Peter Weidhaas‘ Buch „Zur Geschichte der Frankfurter Buchmesse“, das 2004 bei Suhrkamp erschienen ist.

Über die „Gegen-Buchmesse“ in Frankfurt schreibt Stephan Füssel in dem Aufsatz: „‘Gegen die Geschäftemacherei des Bestsellerbetriebs‘. Die kurze Phase der Gegen-Buchmesse in den Jahren 1977 bis 1984“. Der Aufsatz findet sich in dem von Füssel selbst herausgegebenen Suhrkamp-Band 50 Jahre Frankfurter Buchmesse. 1949-1999.

Über neuere Alternativ-Messen informiert Gesa Steinbrinks Beitrag „Literatur- und Buchmessen“ in dem von Christoph auf der Horst und Sabine Brenner-Wilczek herausgegenbenen Handbuch Literaturkritik. Geschichte-Systematik-Praxis, das 2025 bei Metzler erschienen ist.

Dass 3 Verlage vom diesährigen Buchhandlungspreis ausgeschlossen wurde, machten als erste Felix Stephan und Jörg Häntzschel in der Süddeutschen Zeitung aöffentlich. Ihr Artikel „Wohin das führt, sehen wir in den USA“ ist hier online verfügbar: https://www.sueddeutsche.de/kultur/wolfram-weimer-deutscher-buchhandlungspreis-verfassungsschutz-haber-verfahren-kulturfoerderung-extremismus-li.3396299?reduced=true

Transkript anzeigen

00:00:09: Literatur im Betrieb.

00:00:11: Mit Erika Tomalla, Unladen Gladitsch.

00:00:32: Herzlich willkommen bei Literatur in Betrieb!

00:00:34: In diesem Podcast beschäftigen wir uns mit Büchern und vor allem mit dem was sie möglich macht.

00:00:39: Ich bin Erika Thomas, Professorin für Buchwissenschaft an der LMU in München

00:00:43: Und ich bin Bladen Gladitschs.

00:00:44: Ich arbeite als Föhr-Torredakteur bei der Welt.

00:00:52: Im Leipzig ist Buchmesse.

00:00:54: Neben Frankfurt ist das einer der weltweit einfluchsreichsten Branchen treffs überhaupt.

00:01:02: Das ist für uns grundgenug zu fragen, was das eigentlich isst eine Buchmesse?

00:01:06: Seit wann gibt es Buchmessen und wie haben sich Buchmessens verändert?

00:01:10: Die Covid-Pandemie hat ja dazu geführt dass die Leipziger Buchmesste dreimal ausfallen musste.

00:01:15: sie hat aber auch dazugeführt ,dass die Digitalisierung im buch messenwesen ganz schön vorangeschritten ist.

00:01:22: gleichzeitig kann man sowohl in Frankfurt als auch in Leipzig beobachten politisiert werden.

00:01:29: Stichwort wäre da vielleicht rechte Verlage und man kann sehen, dass Buchmessen immer mehr zu Mega-Events werden.

00:01:36: Ein Stich Wort da ist vielleicht Cosplay und Manga aus.

00:01:40: Bevor wir das mit Oliver Zille der Jahrzehnte lang die Leipziger Buchmesse geleitet hat diskutieren blicken wir wie immer erst einmal zurück.

00:01:51: Der Blick zurück.

00:01:56: Der Blick zurück führt uns diesmal über die Literatur in die DDR.

00:02:01: Uwe Tellkamp beschreibt, in seinem Roman der Turm aus dem Jahr ist eine eigentümliche Figur der Leipziger Buchmesse in der DDR – nämlich die sogenannte Bücherheuschrecke.

00:02:12: Gemeins sind damit junge Messebesucher in Parkas mit eigens eingenähten Innentaschen, die sich auf einen ganz besonderen Beutezug vorbereiten.

00:02:21: Für viele Leserinnen und Leser der DDR war nämlich die Leipziger Buchmesse eine der wenigen Gelegenheiten, um überhaupt zeitgenössische Literatur aus dem Westen zu sehen zu bekommen.

00:02:32: Westdeutsche Verlage durften ihre Bücher ausstellen kaufen konnte man sie aber meistens nicht und deswegen haben viele versucht sich die Texte anders zu sichern.

00:02:40: Sie lasen stundenlang am Stand schrieben Passagen ab oder sie ließen ein Buch im Parker verschwinden.

00:02:46: Das ist keine reine Fantasie von Take-Ump, sondern ist tatsächlich auch so belegt.

00:02:51: Die Historikerin Patricia F. Blume beschreibt in ihrer Geschichte der Leipziger Buchmesse in der DDR genau solche Strategien – das Memorieren von Büchern, das Kopieren und auch das Stehlen.

00:03:03: Berichten zufolge wurden pro Messetag etwa zwanzig Personen beim Stehen erwischt.

00:03:07: Interessant ist aber dabei auch die Haltung mancher Westdeutscher Verlage.

00:03:11: Zeitzeugen berichten nämlich, dass das Standpersonal gelegentlich angewiesen wurde, die Diebstelle nicht allzu streng zu verfolgen.

00:03:18: Die Bücher zirkulierten auf diese Weise weiter nur jenseits der offiziellen Verkaufswege Und das auf Buchmessenbücher verschwinden ist kein rein historisches Phänomen, sondern gibt es auch noch heute.

00:03:31: Deswegen erzählen manche Verlage auch halb im Scherz.

00:03:33: Wenn ein Titel besonders aufgeklaut wird, ist das vielleicht das beste Zeichen dafür dass er wirklich gelesen werden will?

00:03:40: Ja jetzt mal Scherzt beiseite diese Geschichte die Tellkamp da aufgespießt hat.

00:03:45: die zeigt ja auch dass die Buchmesse in Leipzig zu DDR-Zeiten hochpolitisch war.

00:03:52: Das Clown war ja nicht nur einfach ein Aneignen im Sinne von, das will ich haben.

00:03:57: Das ist kein Buch-Fetischismus gewesen.

00:03:59: Das war hier wirklich die einzige Möglichkeit an Westliteratur zu kommen für ganz viele was eben zeigt dass das Buchmessen in dieser speziellen Konstellation jenseits der Mauer aber auch ganz allgemein eine recht politische Sache sind.

00:04:14: genau beschränkt sich dann natürlich nicht nur auf die DDR, sondern kann man eigentlich mindestens durch die ganze Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts aber auch im neunzehn Jahrhundert und früher schon sehen.

00:04:24: Die Geschichte der Buchmessen ist ja generell sehr alt und führt sehr weit zurück nämlich letztlich bis zur Erfindung des Buchdrucks.

00:04:33: Genau!

00:04:33: Und ich glaube, zwölfhundertvierzig gab es schon das erste Messeprivileg durch Kaiser Friedrich II für Frankfurt Buchmesse oder das, was man als Vorläufer der jetzigen Buchmessem Frankfurt sehen kann.

00:04:46: Die gibt es seit den fünfzehn Jahren.

00:04:48: Genau!

00:04:49: Es wird sogar gemunkelt ist aber nicht keine ganz belegte Anekdote dass Gutenberg selbst auch über die erste Messe gelaufen ist.

00:04:56: Man weiß es aber nicht ganz sicher.

00:04:58: jedenfalls ist es so, dass die ersten Messen auf denen Bücher verkauft wurden große Warenmessen waren.

00:05:04: also da wurden Bücher mit anderen waren gemeinsam verkauft wie Gewürzen, Mitteilen oder Tüchern und tatsächlich entwickelte sich Frankfurt dann sehr schnell zu einem ganz wichtigen Ort für die Buchmesse.

00:05:17: Das lag einfach darin dass mehrere große Handelsrouten durch Europa sich in Frankfurt kreuzten und deswegen entstanden da dann diese beiden Messen die man heute noch kennen nämlich die Frühjahrsmesse.

00:05:30: Ja, Leipzig hat ein bisschen gebraucht um aufzuholen könnte man sagen.

00:05:37: Das hatte auch konfessionelle Gründe nicht wahr?

00:05:40: Genau also leipzig.

00:05:41: die leipziger Buchmesse ist ab dem siebzehn Jahrhundert zur ernsthaften Konkurrenz von Frankfurt geworden.

00:05:49: Leipzig lag sehr günstig geographisch für den Handel mit Ost und Mitteleuropa und gleichzeitig war Leip sich natürlich ein wichtiges Zentrum der protestantischen Bildungswelt.

00:06:00: Also, es hatte die Universität, Druckereien und eine starke buchhandelsstruktur.

00:06:05: Das hatte zur Folge das immer mehr Verleger- und Buchhändler dann begonnen haben ihre Geschäfte nicht mehr in Frankfurt sondern in Leipzig abzuwickeln?

00:06:13: Genau!

00:06:13: Das hat auch dazu geführt dass im Achtzehnfünfzwanzig der Börsenverein der Deutschen Buchhänder gegründet wurde und zwar in Leibzig – der Vorläufer des jetzigen Börsenfereins

00:06:24: Genau.

00:06:24: Der Börsenverein war natürlich wichtig, weil er den Buchhandel dann koordiniert hat, Preise und Handelsbedingungen reguliert hat und eben zu einer der wichtigsten Organisationen des deutschsprachigen Literaturbetriebs wurde.

00:06:37: Man muss aber sagen dass die Entwicklung von Leipzig zum wichtigen Zentrum auch zum buchmäßenzentrum damit zu tun hatte das in Leipzig im achtzehn Jahrhundert auf den Kommissionsbuchhandel umgestellt wurde.

00:06:51: Das heißt also, um das einmal zu erklären davor wurde.

00:06:54: im Prinzip wurden Bücher getauscht auf den Messen.

00:06:56: Die Buchhändler sind dahin gekommen und haben Ware gegen Ware getausht.

00:07:00: Und der Kommissionsbuchhandel ist das was man eigentlich heute auch als Zwischenbuchhandl bezeichnet.

00:07:04: Das heißt da gibt es zwischen Händler die die Waren an kaufen und dann vertreiben.

00:07:08: Das war sehr wichtig um Leipzig dann als Zentrum zu etablieren.

00:07:13: Das ist ein wichtiger Schritt dahin was wir heute Literaturbetrieb nennen?

00:07:17: Genau!

00:07:18: Wie hat denn die Reichsgründung, die Rolle der Buchmessen begünstigt verändert?

00:07:23: Naja, also insgesamt ist es natürlich so dass im Jahrhundert wahnsinnig viel passiert durch technische Innovationen schnell pressen billigeres Papier verbesserte Transportwege.

00:07:34: Die Reißgründung hat dann natürlich auch noch mal Effekte weil die Buchmessen dann zu Orten werden an denen sich eine nationale literarische Öffentlichkeit formiert und die Verlage auch zunehmend eben nicht nur den Handel repräsentieren sondern auch die Presse und die Öffentlichkeit adressieren.

00:07:51: Und ich glaube, dass man also das was wir anfangs schon angesprochen haben nämlich diese Politisierung der Buchmessen kann man natürlich seit dieser Zeit sehr intensiv verfolgen und das ganze zwanzigste Jahrhundert ist eigentlich geprägt davon.

00:08:03: Also die NS-Zeit natürlich sowieso weil der Buche an den Leinen gleichgeschaltet wird viele jüdische Verleger, Buchhändler und Autoren ausgeschlossen werden oder emigrieren müssen.

00:08:13: Natürlich ändert sich dann auch nach fünfundvierzig sowieso alles im Hinblick auf die Messestruktur

00:08:19: Genau.

00:08:20: Und dann sind wir fast schon in der Zeit, die Teilkampf beschreibt.

00:08:23: In der Turm haben wir ein Leipzig eine Messe, die sich stärker am Ostblock orientiert.

00:08:30: Es gibt aber diese Kontakte zu westdeutschen Verlagen.

00:08:32: Die großen Verlage sind alle auch in Leipzig vertreten Fischer, Surkamp etc.

00:08:39: Frankfurt wird aber weltweit erstmal die sehr viel wichtigere Messe.

00:08:44: Genau, also die Frankfurter Buchmesse wurde neuer gegründet und hat sich dann sehr schnell zum internationalen Treffpunkt des westlichen Buchhandels entwickelt.

00:08:53: Und wurde vor allem zu einer wichtigen Plattform für den Rechte- und Lizenzhandel während das für Leipzig natürlich nicht in gleicher Weise möglich war.

00:09:02: und ich hatte sich die Bedeutung dieser Buchmessen im Verhältnis dazu wie es davor war deutlich verschoben.

00:09:08: Bevor wir jetzt darüber sprechen wie es mit Leipzig vor einem weiterging nach der sogenannten Wende Wer vielleicht noch anzumerken, dass Frankfurt und Leipzig natürlich nicht die einzigen Buchmessen sind.

00:09:18: Die von Belang sind.

00:09:20: es gibt die Bucht Wien im deutschsprachigen Raum, die wichtig ist.

00:09:24: Es gibt aber von London bis Abu Dhabi große Buchmassen, die man auf dem Schirm haben muss wenn man über Buchmessens redet.

00:09:32: Und es gibt kleinere Alternative Messen, die sich teilweise auch ganz explizit als politische Alternative Anbieten.

00:09:43: Bei den kleineren Messen ist vielleicht zu erwähnen die Meister-Minipressen-Messe, die findet zweijährig statt seit neunzehntsiebzig.

00:09:50: Das ist ganz wichtig für die kleinen, kleinen Pressen und die Independentens heutzutage auch für die Self-Publisher.

00:09:57: was im letzten Jahr vor Hore gemacht hat und für Diskussionen gesucht hat war die Buchmesse Seitenwechsel in Halle.

00:10:04: Die war organisiert

00:10:05: Genau aber die haben wir ja schon gesprochen

00:10:07: Genau über die haben Wir schon mal gesprochen In einer Episode organisiert von Susanne Dagen, die Buchhändlerin aus Dresden.

00:10:17: Und diese Messe sieht sich als rechte Alternative zu einem Messewesen das... und es ist immer eine Fremdbeschreibung würde ich sagen, dass angeblich nach links gekippt ist, dass der linken Hegemonie folgt, das Stimmen unterdrückt etc.. Was interessant ist natürlich, dass es linke Buchmessen auch schon ganz lange gibt.

00:10:39: Wie ist das Normalität, dass es Buchmessen gibt die sich gegen den sogenannten Mainstream wenden und die kommen meistens von links.

00:10:47: Von hier war es in Frankfurt die Gegenbuchmesse.

00:10:52: Seit zweitausend gibt es eine Veranstaltung wie heißt Gegenbuchmasse oder Gegenbuch-Masse also eine Messe die alternativ sein will, die eine Alternative zum marktförmigen Literaturbetrieb sein will Und ähnliche Sachen gibt es in Berlin, in Nürnberg eigentlich in ganz vielen Orten.

00:11:12: Ja das zeigt natürlich also wir haben vorhin schon über die gesellschaftlich oder politische Dimension der Messen gesprochen und dass da natürlich auch immer Entwicklungen des Buchmarks und des Literaturbetriebs ganz stark sichtbar werden und auch verhandelt werden gerade auch über solche Gegenmessen.

00:11:27: man sieht natürlich sehr stark jetzt gerade an der Frankfurter Messe diese großen Tendenzen der Internationalisierung, der Commercialisierung und auch der Mediatisierung des Literaturbetriebs in den letzten Jahrzehnten.

00:11:40: wichtig in dem Zusammenhang.

00:11:41: Auch noch zu nennen, also wir haben jetzt ja Buchmessen immer als Events vor Augen die bei denen erstens sehr viel passiert auch an Veranstaltungen und die vor allem für Publikum geöffnet sind.

00:11:50: Und das war ja gar nicht immer so.

00:11:52: Also eigentlich waren das ja Fachmessen für Verlage, für Buchhändler, für Autorinnen und Autoren.

00:11:57: Die Frankfurter Buchmesse hat sich erst so allmählich seit den sechziger Jahren aber so richtig ab den achtziger Jahren wo dann Publikums Tage eingeführt wurden Für externe Lisa Rinn und Lisa geöffnete.

00:12:11: Und heute ist es so, dass man in Frankfurt zwei Tage glaube ich für die das Fachpublikum hat und der Rest ist eine Publikumsveranstaltung tatsächlich.

00:12:21: Kommen wir zu unserem Gast heute über den wir uns sehr freuen.

00:12:27: Oliver Zille war schon nixund achtenachtzig Referent der Leipziger Messe also noch zur DDR-Zeiten.

00:12:35: gerade noch Ab III.

00:12:38: had er die Messe geleitet, zunächst als Projektleiter dann ab Vier als Direktor und erleitete auch das Lesefest Leipzig-Liest.

00:12:46: Ich glaube es ist sehr verbunden mit seinem Namen.

00:12:50: Und auch die Mangakomicon.

00:12:53: Das ist dieser Teil der Leipziger Messe der dadurch auffällt dass da ganz viele meiste junge Leute in wilden Verkleidungen rumlaufen.

00:13:01: Ende Dreiundzwanzig hat Oliver Zille als Direktor aufgehört in Leipzig.

00:13:06: Heute kümmert er sich um internationale Beziehung bei der Buch Wien.

00:13:09: Er ist vielfach ausgezeichnet worden, er hatte die Goldennadel des Börselvereins des Deutschen Buchhandels erhalten.

00:13:15: Er isse Chevalier d'Ornotre des Arts Elettres in Frankreich und es trägert das österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst erster Klasse.

00:13:24: Er hätte also dreißig Jahre ängste Einblicke gewinnen können wie so eine Messe funktioniert – und zwar von Ganz oben, wenn man das sagen darf.

00:13:34: Wir könnten uns kaum einen besseren Gesprächspartner vorstellen.

00:13:37: Herzlich willkommen Oliver Zille!

00:13:39: Vielen Dank, hallo!

00:13:40: Ja

00:13:40: wir haben es ja gerade schon am Beispiel von Frankfurt so ein bisschen diese großen Entwicklungen seit der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts nachvollzogen.

00:13:50: Vielleicht können Sie noch mal schälen dann wie das im Leipzig danach der Wende war?

00:13:55: Also nach dem Mauerfall gab's zunächst einmal im März noch eine Buchmesse alten Steels, alten DDR-Steels an der aber sehr viele westdeutsche Verleger mehr als in der Vergangenheit.

00:14:09: Sie haben ja ein paar Namen genannt die sozusagen klassisch immer Leipzig waren, aber dann waren schon deutlich mehr in Leipzig und die hatten Riesenerwartungen den Ostmarkt aufzurollen um Publikum zu sehen.

00:14:21: und es war ein richtiges in Anführungsstelle schönes Disaster.

00:14:27: Das Publikum war nicht auf der Messe.

00:14:28: Buchhändler waren gar nicht auf die Messe, weil alles in Transformationen war.

00:14:32: Der Volksbuchhandel wandelte sich im Privatbuchhandl.

00:14:35: Die Leute waren einfach mit ganz anderen Dingen beschäftigt schon und... ...die erste Buchmesse, die ich dann wirklich so sagen verantwortlich erlebt habe, war... das war dann nach der Wiedervereinigung.

00:14:48: Die war aber auch noch buchmessen werdenden Jahr im Voraus mindestens organisiert.

00:14:55: Und da gab es wieder ein Riesen, eine riesen Unzufriedenheit der Aussteller dass die Platzierung nicht stimmte und das das Publikum nicht da war.

00:15:05: Und ich weiß noch... Der Pressesprecher des Börsenvereins hat mich gefragt wie viel Besucher habt ihr denn gezählt?

00:15:11: Ich habe gesagt so ungefähr sechstausend laut verkauften Karten.

00:15:16: und er hat zu mir gesagt wenn du das jetzt öffentlich sagst dann bist du deinen Job los!

00:15:20: Dann war das deine erste oder letzte Buchmesse.

00:15:23: wir sagen einfach mal zwanzigtausend Besucher.

00:15:25: Und da haben wir da zwanzigtausend Besucher hingeschrieben und alle haben geschrieben und gesagt, so wenig Besucher.

00:15:30: Guck mal nach Frankfurt!

00:15:31: Da sind da hunderttausende in Leipzig und das wird nie was so ungefähr.

00:15:35: Ja?

00:15:37: Und dann hat die Messe gemeinsam mit dem Börsenverein im Vertrag abgeschlossen dass der Börsenferein die Buchmesse Leipzig innerhalb von drei Jahren übernehmen könnte um einfach die Loyalität des Börsnvereins für diese Buchmesse in Leibzig neben der Frankfurter BuchmesSE überhaupt zu organisieren.

00:15:56: Man kannte sich nicht, die DDR war gerade zusammengebrochen es war alles neu.

00:16:01: dann hat man diesen Vertrag abgeschlossen und hat nach drei Jahren in die Bücher geschaut hat gesehen dass die betriebswirtschaftlichen Zahlen tief rot waren.

00:16:09: unter Börsenverein hat gesagt ne schön dank wir machen hier den ideellen Träger dieser Messe aber wir involvieren uns nicht wirtschaftlich und es gibt weiterhin zwei voneinander komplett getrennte Veranstaltungen.

00:16:22: das hat sich im Nachhinein für Leipzig als sehr sinnvoll und ein Glücksfall erwiesen, weil wir wirklich die Entwicklung der Buchmesse dann nach eigenen Bedürfnissen.

00:16:34: Nach dem eigenen Publikum, nach dem Fortschritt der Transformation in den neuen Bundesländern gestalten konnten so.

00:16:42: Und das haben wir dann schrittweise getan.

00:16:45: Sie haben gerade gesagt es ist ein Glucksfall war für Leipzig dass sie unabhängig geblieben sind.

00:16:51: Inwiefern war das ein Glückfall?

00:16:53: Das war ein Glücksfall, unabhängig zu sein wirklich nach den Bedingungen des Marktes vor Ort der Transformation in den neuen Bundesländern.

00:17:04: Also was passiert mit dem Buchhandel?

00:17:09: Wie ist das Publikum drauf?

00:17:10: Welche Themen interessieren diese Messe für Leipzig zu entwickeln?

00:17:15: die Buchmesse in der DDR Sie haben es ja am Anfang angerissen War vieles.

00:17:20: sie war sehr politisiert und sie immer so ein Schaufenster in die Welt für DDR-Leserinnen und Lesern.

00:17:28: Für mich als Lehrling, als Student ist man auf die Buchmesse gerannt weil man einfach was anderes sehen wollte als was man in den Buchhandlungen der DDR sah.

00:17:39: Klammer auf, klammer zu!

00:17:40: Man wollte auch wissen wann die DDR Bücher erscheinen und dazu musste man auch auf die Bookmesse nach Leipzig gehen.

00:17:45: ich wurde immer gefragt hast du auch Bücher geklaut?

00:17:48: Und habe immer gesagt ne hab' ich mir nicht getraut.

00:17:50: Ich bin vor allen Dingen da hingegangen um zu schauen die Bücher, die mich interessiert haben.

00:17:54: Und es gab ja in der DDR auch mutige Verleger, die interessante Sachen gemacht haben zu wissen wann die erscheinen im Jahr um dann seinem Buchhändler zu sagen ich möchte gerne dieses Buch da musste man auf die Buchmesse gehen im März so und diese Unabhängigkeit, die wir uns damit erhalten hatten eben nicht hinter der Frankfurter Buchmesse herzulaufen sondern was eigenes machen zu können war ein Vorteil.

00:18:18: aber am Anfang war natürlich die große Folie die Frankfurter Buchmesse.

00:18:23: Was machen die?

00:18:23: Wie machen sie

00:18:24: das?".

00:18:24: Und ich hatte das große Glück, mal für zwei Monate einen ... Ich würde sagen heute würde man sagen Volontariat bei den Kollegen der Frankfurte Buchmese zu machen.

00:18:36: und der damalige Direktor Das war so ein Alt-Achten-Sechziger Da wurde sofort geduzt Du kannst dir ja alles angucken Küche und Keller oder du kannst hier bei unseren Brainstormings dabei sein.

00:18:46: Du kannst alles hören was mir auch gesagt hat dass das einerseits sehr freundlich war, auf der anderen Seite.

00:18:53: Man natürlich Leipzig auch nicht ganz ernst genommen hat und sagt halt ja klar Wiedervereinigung oder Leipziger Buchmesse gucken wir was ihr machen könnt.

00:19:00: Und diese guten Kontakte zur Frankfurter Buchmesser habe ich mir übrigens bis zwanzig dreiundzwanzig oder bis heute eigentlich erhalten.

00:19:07: zu den Kolleginnen und Kollegen und Ich bin ein großer Bewunderer Was die Frankfurte Buchmesste auch so auf die Beine bringt jedes Ja vor allen Dingen was internationalität betrifft.

00:19:17: aber Wir haben in leipzig dann eben schnell gesehen dass wir uns aufs Publikum konzentrieren sollten.

00:19:23: Nicht ganz so einfach.

00:19:24: in den neunziger Jahren war ja der Handel noch sehr stark und es ging immer darum, kommen denn auch Buchhändler nach Leipzig?

00:19:31: Nee, Buchhäntler kamen nicht nach Leibzig aber mit ich würde mal sagen so um zwei tausend sieben.

00:19:37: mit dem Beginn der Digitalisierung und von Social Media und dem starken Wandel im Verlagswesen an einem Buchhandel hat Leip sich dann einen wirklich rasanten Aufschwung genommen den Direktkontakt zum Leser aufzubauen und auszubauen.

00:19:54: Und da würde ich jetzt im Nachhinein sagen, das wäre uns in so einer gemeinsamen Frankfurt-Leipziger-Messegesellschaft niemals gelungen wird, würde ich heute sagen.

00:20:04: Und es hat ja dann zuletzt auch dazu geführt dass Frankfurt was so Publikumsaktivitäten betrifft, auch wieder nach Leipzig geschaut hat.

00:20:10: am Anfang haben natürlich nur wir nach Frankfurt geguckt aber später war das dann auch Leipzig.

00:20:16: Liest, Open Box Kennt ja die Geschichten, also Frankfurt hat dann auch eigene Formate entwickelt fürs Publikum.

00:20:23: Diese Aktion Leipzig-Lies, die reingegründet wurde und zweiundneinzig das erste Mal stattgefunden hat.

00:20:29: Das war quasi mit den Battelsmännern, mit dem Battlesmann Buchclub.

00:20:32: damals lebte er noch, war für uns natürlich sozusagen eine unheimlich starke Impulse der uns bis in die heutigen Tage trägt.

00:20:41: Ja, vielleicht können Sie das noch mal schildern.

00:20:43: Also wie die Entscheidung zustande kam und was überhaupt... Sie haben ja gerade gesagt, sie haben dann irgendwann beschlossen, Sie müssen Leipzig zu einer Publikumsmesse machen.

00:20:52: Was waren da die wichtigen Schritte?

00:20:55: Also zunächst einmal der wichtigste Schritt war schon einen Neunzig als Dieb.

00:21:00: Das Erbertelsmann Buchclub kamen uns folgende Geschichte erzählte also passt auf Leute wir haben ein neunzehnt hundert noch vor dem Fall der Mauer in München ein München-Liestfestival organisiert, mit dem dortigen Landesverband des Börsenvereins.

00:21:16: Und das war ein Riesenerfolg.

00:21:18: und da haben wir – ich weiß nicht an fünfzig Orten oder an sechzig Orte haben wir Autoren und Autorinnen hingebracht und die Münchner haben das geliebt.

00:21:27: So was machen wir jetzt Leipzig?

00:21:29: Das nennen wir Leipzig-List den ersten Durchgang.

00:21:34: Wir brauchen das Kulturamt der Stadt, wir brauchen Orte in der Stadt und wir brauchen Partner.

00:21:38: Und dann überziehen wir die Stadt Leipzig mit Literaturveranstaltungen und zeigen so den Verlagen wie eine Buchmesse vielleicht in der Zukunft auch anders aussehen könnte als das Klassische was man aus Frankfurt kennt.

00:21:52: Das war wenn man so will, Frankfurt war die Matritze auf die alle geguckt haben.

00:21:56: So sieht ne Buchmessen aus, ne Buchmesse ist so wie Frankfurt ist und richtige große Publikums Show kannte man in Deutschland so nicht.

00:22:05: Man kannte nur die Teile Frankfurt.

00:22:07: und mit Leipzig liest, das erste Jahr waren jetzt Pimal Daumen hundert Autoren an Hundert Orten.

00:22:14: Das stand dann in der Leipziger Volkszeitung.

00:22:16: Leipzieger Größen waren hundert Veranstaltungen an vier Tagen.

00:22:21: Wer soll das besuchen?

00:22:23: Also in Spitzenzeiten hatten wir dann dreitausend Veranstaltung im Leip sich und es hat auch funktioniert.

00:22:30: Und das war Ein lese, hungriges und vor allen Dingen auch debattenhungriges Publikum.

00:22:36: Wie geht es jetzt nach der deutschen Vereinigung weiter?

00:22:39: Was passiert mit dem Osten?

00:22:40: Was ist mit unseren Autoren?

00:22:42: Ja was ist mit Christa Wolff oder mit mit Christopher Hein und natürlich auch die gesamten spannenden Westautoren?

00:22:49: also Günter Krass war ja fast jedes Jahr in Leipzig irgendwie Und hat sich dort trefflich überfragender Wiedervereinigung also produktiv gestritten.

00:22:58: Wir haben dann relativ schnell große Publikumszuwächse gehabt an der Messe, beziehungsweise auch an den Leipzig-Liestveranstaltungen.

00:23:06: Und dann habe ich Leute so erzählt mir ja du ich war auf der Buchmesse und dann sage ich wo warst Du denn?

00:23:11: Na wir waren in der Buchhandlung dort und dort aber in den Messehäusern kamen teilweise das Publikum gar nicht an weil es ebenso verstreut über die Stadt war Die Kapazitäten dieser alten Leipziger Messe Häuser letzten Jahrzehnten des, des neunzehn Jahrhunderts und Anfang des zwanzigsten Jahrhundres gebaut worden war immer überhaupt keine Kapazität eine richtige Buchmesse zu bauen.

00:23:33: Und dann gab es Ende der neunziger Jahre also konkret siebenundneunzig den Plan auf das neue Messegelände mit der Buchmesste zu gehen und da eine richtige Messe draus zu machen.

00:23:45: Da haben sich wieder alle an Kopfgegriffen gesagt nee das ist ja dann so wie in Frankfurt.

00:23:48: das wollen wir eigentlich gar nicht.

00:23:49: Wir finden das toll wenn wir in die Thomas Kirche gehen können oder wenn man uns einen Kaffee setzen kann.

00:23:54: Und wir haben es dann aber auch durchgesetzt, auf das neu gebaute Messergelände sixundneunzig fertig gebaut.

00:23:59: Die Buchmesse eben rüber zu switchen.

00:24:02: und ich habe im ersten Jahr die Messe in den Messerhallen so eng gebaut wie sie in den Messerhäusern gebaut waren weil die Befürchtung der Verlage war ja da geht ein Flächenwettbewerb los und das können wir uns nicht leisten.

00:24:15: eine zweite Buchmesser brauchen wir sowieso eigentlich nicht und jetzt fängt ihr auch noch an aufs Messer Gelände zu gehen.

00:24:19: ganz schrecklich und relativ schnell hat man aber gesehen, dass die Publikumsmengen – also wir waren in der Innenstadt bei thirty-fünftausend Besuchern und dann waren die Häuser voll.

00:24:29: Mehr hat man nicht geschafft!

00:24:31: Und auf dem Hessegelände hat man sofort im ersten Jahr fifty-fünftigtausende Besucher.

00:24:35: Jetzt aktuell sind es immer über zweihunderttausenden Besucher, also man konnte viel mehr auch mit Kindern und Jugendlichen arbeiten Leseförderung betreiben, eigene Programme machen.

00:24:44: Das ist dann noch mal eine Geschichte für sich.

00:24:46: aber das waren so die Anfänge und dann haben wir eben gesagt am Tag gibt es Leipzig-Liesten nur in der AfD-Messegelände und am Abend ab achtzehn Uhr ziehen wir dann in die Stadt und dann wird bis früh um vier gefeiert an allen möglichen Orten.

00:24:59: Und das war dann das neue Publikumskonzept der Leipziger Buchmesse und das funktioniert bis zum heutigen Tag immer wieder mit Wandlungen eigentlich sehr gut.

00:25:10: Sie haben gerade die Leseförderung erwähnt, die glaube ich was ganz besonderes an Leipzig ist.

00:25:16: Besonders ist auch das, was ich am Anfang erwähnte, ist diese Manga Comic-Con.

00:25:21: Das heißt wenn man aufs Messergelände kommt sieht man alle diese jungen Lese, die Fans sind von bestimmten Genres.

00:25:29: Wie ist es dazu gekommen?

00:25:30: Das ist eine wilde Geschichte.

00:25:32: also zunächst mal... Ich hatte ja am Anfang erzählt, dass um eine Messe wie Frankfurt sinnvoll Paroli zu bieten und das heißt sie nicht zu überholen sondern ein eigenes Konzept danebenzuentwickeln.

00:25:45: Dass man sich auf bestimmte Felder konzentrieren muss und es war klar, dass einfällt die Kinder und Jugendlichen sein Würden.

00:25:51: denn wenn ich etwas gelernt habe in den ersten Jahren was galt für Autoren und es galt fürs Publikum?

00:25:57: Das AutorInnen und Publikums mit so einer Messe wachsen.

00:26:03: Also, ich sag ganz ehrlich.

00:26:04: Ich bin am Anfang Günter Krassinger hergerannt und diesen, ich sage es jetzt freundlich älteren Herren bis sich begriffen habe dass das genau der falsche Weg ist und dass man mit den Jungen... Dass man die an die Messe holen muss und die haben dann eine eigenen Teil ihrer Biografie mit dieser Messe verbunden Und das gilt für die Besucher eben genauso.

00:26:24: Wenn ich heute junge Leute frage ... was sie mit der Buchmesse verbindet, dann sagen die, wir sind schon... ...mit unseren Eltern auf die Buchmessen gekommen als ganz kleine Kinder.

00:26:33: So und das ist für uns sozusagen ein Teil,... ...das ist schon genetisch irgendwie drin, dass man zur Buchmesme geht.

00:26:39: Und das hatten unsere Kollegen in Frankfurt ja vierzig Jahre voraus.

00:26:42: Uns!

00:26:43: Das es da eben auch so einen Automatismus gab.

00:26:46: Wir haben dann gesagt, wenn wir eine Publikumsmesse sein wollen brauchen wir hunderttausend Besucher.

00:26:51: Das ist so ne magische Zahl.

00:26:53: Wie kriegen wir die?

00:26:54: Wir müssen Schüler auf den Messe holen also.... Geben wir den ganz billigen Eintritt und aktivieren die Lehrer.

00:27:01: Für sie machen wir ein Fortbildungsprogramm, so Aller-Detaktor.

00:27:05: Und dann bringen ihre Schüler mit – die Schulklassen!

00:27:07: Und für die Schulklasse macht man ein eigenes Programm.

00:27:09: Das war wie ein Schneeballeffekt, das hat fantastisch funktioniert und hat auch die Besucherzahlen hochgetrieben.

00:27:16: Die ganz stark Literagenverlage haben sich natürlich beschwert.

00:27:20: ihr schickt hier bloß Kinder über die Messe Und in dem Kontext Jugendliche an die Messe zu holen, haben wir auch Umfragen gemacht.

00:27:27: Wie findet ihr die Leipziger Buchmesse?

00:27:29: Um dann aufs Thema zu kommen und da haben die Kids mehr oder minder gesagt also besser als in Schule gehen ist es allemal aber so ganz unsere Themen werden ja nicht gespielt.

00:27:41: was sind denn eure Themen?

00:27:42: Was ist denn mit Comics?

00:27:43: und was ist jetzt mit Mangas sie gerade Anfang der zweitausender Jahre das erste Mal richtig boomten.

00:27:50: große Verlage, große deutsche Verlage haben dann zu uns gesagt pass auf wir machen gemeinsam.

00:27:54: Wir holen hier japanische Stars her und wir präsentieren unsere Mangas speziell an der Buchmesse.

00:28:02: das war alles in der Kinderhalle in der Halle zwei ja und es flog dann uns fast um die Ohren.

00:28:07: irgendwann habe ich meinen Vorstand und den Aufsichtsrat überzeugt, eine eigene Manga-Messe neben der Buchmesse laufen zu lassen.

00:28:15: Aber die als Bestandteil der Buchmasse laufenzulassen.

00:28:18: Wie viel Gegenwind haben Sie da bekommen?

00:28:21: Zunächst mal hieß es also wenn in neuer Halle... Das hat ja auch mit dem Publikumsmenge zu tun.

00:28:26: wir wussten nicht mehr wie wir die Leute unterkriegen sollten.

00:28:29: Es war ein riesen Schlangen ... in den zwei tausend zehner Jahren teilweise wirklich sehr an der Kante, auch sicherheitstechnisch.

00:28:36: Und zwar noch eine Messehalle war noch frei.

00:28:39: Nämlich die Halle eins wo jetzt die Mangakomicon auch dran stattfindet.

00:28:42: und dann dachte ich wie kann ich diese Halle irgendwie erobern?

00:28:45: Dann hieß es immer wenn du die noch nimmst das kostet so und so viel, das kostete so unsoviel hunderttausende Euro... Das kannst du dir eigentlich mit einer Buchmesse gar nicht leisten!

00:28:52: Und danach haben wir eben einen Fahrlangs von deutschen Verlagen gebildet Carlsen allen voran laut gesagt habe, also wenn die Messe sich jetzt diesem Thema nicht richtig annimmt dann ziehen wir uns zurück.

00:29:05: Weil die Fans brauchen was anderes als... ...was ein Kinder- und Jugendbuchverlag oder was einen Kinder-und Jugendbuchautor braucht?

00:29:12: Die Jugendkultur muss anders gefeiert werden!

00:29:14: Und dann hab ich diese Halle bekommen und im ersten Jahr waren dort schon gleich fünfzigtausend Besucher allein in dieser Halle.

00:29:19: Also das war irgendwie... Das war zwei tausend vierzehn haben wir sie gegründet.

00:29:24: Die Idee gab es schon lange eine Comicmesse zu gründen.

00:29:26: Es hat Frankfurt übrigens auch versucht.

00:29:30: So Comic-Bereich gab es da in der Halle, ich hab's vergessen, drei Null glaube ich.

00:29:34: Gabs da einen ganzen Comicbereich, Comicverlage gehören zur Buchbranche und waren eben mit Mangas beschäftigt in den Anfang der zweitausender Jahre sehr.

00:29:44: Und dann haben wir diese Messe gegründet und die ist von Jahr zu Jahr... Diese Teilmesse ist von jahr zu Jahr gewachsen und diese jungen Leute haben man natürlich auch wieder intensiv befragt was lest ihr?

00:29:54: Was ist euch wichtig?

00:29:56: Da stellte sich raus dass das viel stärkere Intensivleser waren als das durchschnittliche Publikum der Leipziger Buchmesse.

00:30:04: Die Pharma ging immer so, das hat mit der Buchmesse gar nichts zu tun.

00:30:07: diese kostimierten Leute die gehen uns so auf den Kranz das wollen wir eigentlich nicht.

00:30:12: und ich habe immer gesagt Leute dass sind buchinteressierte Medien interessierte und das ist für uns auch ein Testfeld mal auszuprobieren was in der Buchbranche so geht.

00:30:20: ja also Guckt mal, wie mein Jugendkultur und eine Buchmesse miteinander verbindet.

00:30:25: Und man sah dann diese bunten Gestalten auch einmal in einem ganz normalen literarischen Forum sitzen.

00:30:30: Das fand ich immer das Allergrößte Dass die sich für Politik und Kunst außerhalb des reinen Manga-Bereiches und reinen Comicbereichs durchaus interessiert haben.

00:30:43: Und dass es jetzt ein wichtiger Teil der Besucherseite diese Gesamtbuchmesse trägt.

00:30:51: Was in die Öffentlichkeitswirksamkeit der Buchmesse hineinspielt, sind ja nicht nur diese Veranstaltungen wie das Lesefest und die Mangermesse.

00:31:02: Das sind vor allem auch die Preise würde man denken.

00:31:06: Es gibt den jährlich vergebenden Preis in drei Kategorien.

00:31:10: es gibt dem Buchpreis zur europäischen Verständigung der interessanterweise und vielleicht tief in die Geschichte reichend sehr stark auf Ost- und Mitteleuropa ausgerichtet ist.

00:31:20: Und es gibt den Preis der Leipziger Buchmesse.

00:31:22: Welche Rolle spielt diese Preise?

00:31:24: Also auch damit sind wieder Geschichten verbunden, der Verständigungspreis, der preis zur europäischen Verständigung.

00:31:32: Der wurde ja im Jahr fournzehntundneinzig gegründet an einer Messe.

00:31:36: Es ging darum, Leipzig als Drehscheibe nach Osten zu entwickeln Und ich selbst habe eine sehr starke Affinität dahin und das hat man dann an der Messe vielleicht auch gesehen.

00:31:48: Und zwar hat es damit zu tun, dass in den Transformationszeiten... Also ich hab mit der Buchmesse angefangen, da war ich einunddreißig Jahre alt also gerade so beginnen meiner beruflichen Laufbahn, dass die Leute in den osteuropäischen Ländern, den mitteleuropäischen Ländern unsere Befindlichkeiten in Leipzig immer eins-zu-eins verstehen konnten.

00:32:08: Man hat sich mit denen ganz schnell eine Gesprächs-Ebene gefunden, die man teilweise – muss ich ehrlich sagen mit den westdeutschen Kollegen so schnell.

00:32:17: Die hat man dann auch gefunden aber es hat viel länger gedauert.

00:32:21: Dann gab es eben die Idee des Börsenvereins der Messe der Stadt Leipzig und des Freistaates Sachsen sowas wie ein Friedenspreis für Leipzig, aber eben etwas was Mittel Osteuropa sozusagen sichtbar macht und die Intellektuellen dieser Länder, die Autoren, die zur Verständigung zwischen Ost- und Westbeigetragen haben eben in den Mittelpunkt stellt.

00:32:43: Und deswegen ist dieser Preis dann in Leipzig gegründet worden.

00:32:47: Ich habe ihn dann in der Eröffnung geholt.

00:32:51: Der Buchmesse wurde rumexperimentiert.

00:32:53: Dann war er Sonntag im Rathaus.

00:32:55: Da hatten Kinder wahrgenommen.

00:32:57: Dann waren er Freitag irgendwie im Rathaus.

00:32:59: Da hat keiner richtig wahrgenommen.

00:33:01: Und im Jahr zwei Tausend Fünf haben wir den Preis der Leipziger Buchmesse gegründet und er kostete damals zweihunderttausend Euro.

00:33:10: So, jetzt zille läuft los und sagt, ich brauche mal schnell zweihundertausend Euro für so einen Preis.

00:33:16: Wusst ich also nicht ob ich das Geld zusammenkriege?

00:33:19: Und dann habe ich erst einmal gesagt, da machen wir jetzt erstmal eins.

00:33:21: Wir legen den Verständigungspreis auf jeden Fall in die Eröffnung was dem Preis unheimlich geholfen hat, was öffentliche Wahrnehmung betrifft.

00:33:30: Und Freistaat und Stadt haben dann mir das Geld gegeben, diesen Leipziger Buchpreis, Preistall-Hebziger-Buchmesse zu kreieren.

00:33:39: Das habe ich mit Vötornjournalisten erfunden quasi die mir dabei geholfen haben.

00:33:45: Ich sagte ihr kennt doch eure Kollegen wer würde denn in so einer Jury mitmachen?

00:33:48: Wie viele Kategorien machen wir?

00:33:50: und mit dem literarischen Colloquium in Berlin?

00:33:52: Die Kollegen waren quasi an der Geschäftsstelle, die haben gesagt wir stellen ja den Preis hin ist kein Problem!

00:33:57: Wir organisieren das alles.

00:34:00: Ich hatte ja nur damals, ich weiß nicht sechs Leute oder so.

00:34:03: Das war eine kleine Mannschaft zu Beginn und dieser Preis.

00:34:07: da ging es eigentlich darum vor allen Dingen Lesern Orientierung zu geben.

00:34:12: also wenn man bei einem Leipzig-Liestfestival dreitausend Veranstaltungen hat dann ist das quasi wie die Weite des Ozeans.

00:34:20: du kannst dich nicht konzentrieren und wir haben immer überlegt wie kriegen wir es in der Kommunikation stärker Konzentrationen ... auf die wichtigsten Autoren des Frühjahrs.

00:34:31: Und zwar ein bisschen die Messespiegelnd auch, deswegen drei Kategorien.

00:34:34: Man hätte auch mal mehr machen können.

00:34:35: wir haben dann drei gemacht und so ist der Preis an zwei tausend fünf entstanden... ...und es jetzt.

00:34:41: ein wichtiger Kommunikationsfaktor war's übrigens auch zu Zeiten als wir keine Buchmesse durchführen konnten.

00:34:47: da hat er preisgelebt.

00:34:48: Der hatte uns quasi das Leben mitgerettet.

00:34:50: ja dass es den Preister Leipziger Buchmesse gab und das er auch preister Leibziger Bookmesse hieß.

00:34:55: Wir haben überlegt wie man den nennen kann haben uns da mit Verlegern besprochen und dann haben die gesagt, nee nennen den einfach preis der Leipziger Buchmesse.

00:35:03: Dann habt ihr auch mal gleich noch ein Werbemittel.

00:35:05: Und ursprünglich das sage ich jetzt auch ganz ungeschützt hatte ich eigentlich die Idee es gab diesen deutschen Bücherpreis.

00:35:13: Ich weiß nicht ob sie sich an dieses wilde Ding mit Günter Krasens Boot als Preis in den Jahren zwei drei und vier wurde deren Leipzig vergeben?

00:35:23: Das war der Basier auf einer Diskussion.

00:35:27: Man muss mehr Buchwerbung machen.

00:35:30: In den neunziger Jahren war das ganz große Thema, wir brauchen einen Buch Oskar.

00:35:35: und dann hatte sich der Börsenverein etwas ausgedacht gemeinsam mit den Kollegen in München zum Welttag des Buches einen deutschen Bücherpreis in Münchendurchzuführen.

00:35:47: so Und da sind wir natürlich in Leipzig ausgeflippt und haben gesagt Wir haben doch eine Buchmesse, wir brauchen den Preis an der Buchmessen.

00:35:54: Da gab es einen großen Streit.

00:35:55: am Ende ist dann die Korine da hervorgegangen, die war dann im Herbst in München und in Leipzig gab's den deutschen Bücherpreis.

00:36:02: War ne einzige schöne Katastrophe.

00:36:04: ganz kurz gesagt er hat nach drei Jahren eingegangen und ich wollte eigentlich dass dieser deutsche Buchpreis der jetzt in Frankfurt stattfindet das der nach Leipzig kommt Das wollte aber der Börsenverein nicht weil er es internationaler haben wollte.

00:36:15: Und dann haben wir gesagt da machen wir unseren eigenen preis der leipziger Buchmessem deutschsprachige Literatur, Übersetzungsliteratur.

00:36:21: Das was die Messe ausmacht und der hat sich sehr gut in den Jahren jetzt etabliert und hilft den Lesern.

00:36:28: Orientierung auf dem überbotenen Buchmarkt.

00:36:31: Der zwar auch ein bisschen schrumpft aber achtzig tausend Titel pro Jahr ist immer noch eine große Menge sich zu orientieren.

00:36:38: Man sieht ja jetzt an Firmen dessen das ihr erzählt haben dass es konstant eigentlich darum ging also um das Publikum zu kämpfen auch.

00:36:47: Und sozusagen Präsenz oder letztlich auch die Überlebensfähigkeit der Branche zu sichern, vor dem Hintergrund würden wir gerne nochmal mit Ihnen über die Pandemie-Erfahrungen sprechen weil das war ja ein riesiger Einschnitt für die gesamte Buchbranche und hat ja eben vor allem die Buchmessen insofern betroffen als sie dann mehrere Jahre hintereinander abgesagt wurden und man darüber diskutiert hat braucht man eigentlich noch diese Präsentsveranstaltung?

00:37:11: Oder sollte man das nicht alles ganz anders machen?

00:37:12: es hat sich danach natürlich viel verändert Und gleichzeitig ist es in meiner Wahrnehmung so gewesen, dass danach eigentlich erst recht noch mal der Wert auch dieses Begegnens in Präsenz von vielen hervorgehoben wurde.

00:37:25: Wie haben Sie das erlebt?

00:37:26: Ja, eigentlich genau so!

00:37:28: Wir haben's natürlich erstmal erlebt im ersten Jahr also zwanzig-zwanzig – das war so als wenn man jemanden im Teppich unter den Füßen wegzieht.

00:37:35: Ich glaube, vierzehn Tage vor der Buchmesse wurde die Buchmesser abgesagt aufgrund der ersten Fälle von Corona und der stark ansteigenden Zahlen.

00:37:44: Und dann dachte ich so, ne ja.

00:37:46: Okay und in dem Jahr hatten wir auch nichts vorbereitet.

00:37:49: logischerweise Wir waren auf eine Messe eingestellt und das war tot es war vorbei Da gab's gar nix.

00:37:56: Das hat die Verlage natürlich schwer getroffen.

00:37:59: Man hat dann aufs nächste Jahr geplant.

00:38:01: Ich bin fest davon ausgegangen dass einundzwanzig da eine Buchmesse gibt Einundzwantig war das Messengelände geschlossen.

00:38:07: Also da gab´s auch wieder keine Buchmessem Und da haben wir dann eine digitale Buchmesse gemacht.

00:38:13: So mit erstmal ohne Strukturen, ohne Geld, auch Expertise darin – das ist ja was ganz anderes, ob sie in der Präsenzveranstaltung machen oder ob jetzt Dinge streamen.

00:38:26: und wir haben ein paar Veranstaltungsorte geöffnet und aus denen wurde dann gesendet.

00:38:34: Da saß aber nur die zwei Autoren und kein Publikum.

00:38:38: Ich bin dann dort hingegangen, die haben mich fast umarmt vor Begeisterung dass da ein richtiger Mensch zur Tür reinkam.

00:38:44: ja also dieser Bedarf sich zu treffen in Leipzig und zu reden und sich auszutauschen den konnte man da schon sehen.

00:38:51: Und in Zweiundzwanzig haben wir auch wieder gedacht Wir machen die Buchmesse, haben es organisiert und auch wieder so zwei Monate vorher haben dann die Verlage des Handdruckgeworfen gesagt Die Inzidenzzahlen sind einfach noch viel zu hoch.

00:39:04: Wir machen das nicht.

00:39:05: Wir schicken da unsere Leute nicht hin, dann bricht alles

00:39:07: zusammen.".

00:39:08: Das war die Messe wieder ausgefallen.

00:39:10: Da haben ein Buchhändler und zwei Verleger gemeinsam eine Pop-App-Buchmesse in Leipzig in einer alten Fabrikheile organisiert.

00:39:21: Die waren ganz klein – da sind wir alle hingerannt und hinterher hatten wir alle Corona.

00:39:25: Da wusste ich auch, dass es richtig war, die Mese abzusagen.

00:39:27: Aber meine Marketingexperten im Hause Wir haben gesagt, das war jetzt einmal zu viel.

00:39:33: Also dreimal abgesagt bedeutet tot und ich hatte ja aber immer den engen Kontakt zu den Verlegern und auch zu dem Verlass Mitarbeitern und die haben alle gesagt, nee, es geht weiter.

00:39:41: Das hat wirklich nur mit Corona zu tun nicht mit Leipzig und Frankfurt oder was auch immer.

00:39:47: Und dreiundzwanzig haben wir's dann wieder hingestellt und da hat man gesehen dass wir recht hatten, dass es durchaus diese enge Bindung zur Leipzige gibt, dass viele jüngere Autoren im Frühjahr Die Leipziger Buchmesse vor allen Dingen nicht nur die großen Stars, sondern eben auch die Dipetanten.

00:40:05: Dass sich die Leipzig dringend brauchen um Öffentlichkeit zu bekommen.

00:40:08: Brauchen Autoren sowieso Buchmessen um Öffnlichkeit zu bekommen.

00:40:10: aber das und wir haben dann uns noch groß vorgenommen zur Stream machen zu tun Das ist dann aber ehrlich gesagt Wir haben einiges auch gestreamt natürlich um unsere Reichweite zu erhöhen Aber dass Präsente vor Ort zu reden zu klönen sich kennen zu lernen.

00:40:31: Das hat eigentlich, das hat man so sagen schnell wieder zurückbekommen und es ist glaube ich nicht sehr viel in der reinen Messeorganisation nach außen was Veranstaltungen betrifft.

00:40:44: Nach ihnen was Digitalisierung der Abläufe betriffte da haben wir uns sehr stark nach vorne entwickelt.

00:40:49: aber was sozusagen Frontend betriffft ist es wieder sehr klassisch.

00:40:53: ja also Leute kommen an einem Ort zusammen und wollen live Personen sehen und sich mit denen austauschen.

00:41:00: Ganz hervorragend, liebe Herr Zill.

00:41:02: Wir danken Ihnen sehr für diese Einblicke in ein Messewesen, das man glaube ich so gar nicht so gut kennt wenn man zweimal im Jahr in den Fötterns liest vielleicht auch dort hinfährt sich ständig anguckt eventuell Glück hat auf eine Party eingeladen zu werden.

00:41:18: Man weiß gar nicht was da alles im Hintergrund läuft, man weiß nicht wie sich das verändert hat.

00:41:22: ganz herzlichen Dank für Ihre Zeit!

00:41:24: Sehr gerne!

00:41:25: Ganz

00:41:25: herzliche

00:41:25: Dank.

00:41:32: ja Ich finde, dass man jetzt noch mal gesehen hat sowohl im Gespräch mit Herrn Zille als auch in dem was wir davor rekonstruiert haben an der Geschichte der Buchmessen.

00:41:42: Dass sich wie im Produktbuch ja auch bei den Buchmessens eben Kulturökonomie und Politik auf eine ganz intrikarte Weise bündeln und verbinden und teilweise aber auch in Konkurrenz zueinander geraten.

00:41:56: Das kann man eigentlich in der Geschichte von Anfang an sehen Jahrhunderts noch mal besonders stark gesehen.

00:42:05: Was mir aufgefallen ist in unserer Episode jetzt und vor allem auch den Beiträgen, die Oliver Zille für uns geleistet hat, ist dass diese Spannung zwischen Markt- und Kultur auf Buchmessen glaube ich sehr, sehr stark spürbar ist.

00:42:24: Und dass sie irgendwie parallel geht mit dem was man gar nicht sieht was passiert auf Buchmessen im Hintergrund, was vielleicht auch nach der Pandemie sich verändert hat.

00:42:35: Eine Digitalisierung wahrscheinlich im rechten Handel in wirtschaftlichen Funktionen einhergeht mit einer Feier des Buches und einer Feiere von Präsenz – weniger eine fetische Sierung aber wirklich eine Gemeinschaft die sich um ein bestimmtes Medium scharrt.

00:42:53: Genau, ich meine eine parallele Geschichte zu dem was er jetzt auch über die Mangas erzählt hat ist natürlich jetzt die Diskussion über New Adult.

00:43:01: Die besonders im Hinblick auf die Frankfurter Buchmesse geführt wurde.

00:43:05: also das ist ja genau diese Diskussion wie stark sollte eigentlich ein Genrevertreten sein dass sehr populär und der Buchbranche sehr viel Geld einbringt gerade wo sich aber nicht alle darüber einig sind wie wertvoll es ist oder ob das das einzige oder nicht das Einzige aber in dieser Form in dieser Breite vertreten sein sollte.

00:43:23: Ja, richtig!

00:43:24: Das ist wahrscheinlich eine Parallele die man jetzt diskutieren müsste.

00:43:28: inwiefern ist New Adult is Romance is Romanticy das Manga von damals... Von heute?

00:43:35: Ich habe neulich mit Sebastian Gugo als dem Sprecher des Vorsteher heißt er, des Börsenvereins gesprochen der dazu eine ganz interessante Meinung hatte.

00:43:43: der sagte einfach hey das nimmt doch niemanden was weg.

00:43:46: und da hat er natürlich auch recht.

00:43:48: andererseits ist es so wenn man auf diese Messen geht und plötzlich Ist ein großer Teil der Fläche allein schon damit belegt?

00:43:55: Dann fühlt sich das erst mal ganz anders an.

00:43:58: Ja, gut vielleicht sprechen wir darüber irgendwann mit jemandem von der Frankfurter Messe.

00:44:03: Wir haben ja was die politischen Dimensionen der Messe angeht auch noch einen Blick ins Jetzt vorbereitet.

00:44:12: Der Blick in's jetzt!

00:44:18: Ein Politikum

00:44:20: Genau, der Blick ins Jetzt führt uns zum deutschen Buchhandlungspreis.

00:44:25: Das gilt als eine der wichtigsten kulturpolitischen Auszeichnungen für den unabhängigen Buchhandel wurde aber und das ist zum Zeitpunkt dieser Sendung wahrscheinlich allen bekannt in diesem Jahr abgesagt.

00:44:38: die Preisverleihung fällt aus und zwar nach einer politischen Kontroverse.

00:44:42: Auslöser war eine ungewöhnliche Entscheidung.

00:44:45: Der Kulturstaatsminister Weimar hat drei der jüri ausgewählten Buchhandlungen wieder von der Liste gestrichen mit Verweis auf verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse, es ist aber geheim was das für Erkenntnisse sind.

00:44:59: also bisher weiß man nichts darüber und damit ist eine Debatte darüber ausgelöst worden eine sehr heftige Debatte wer eigentlich über kulturelle Auszeichnungen entscheidet eine Fachjury oder die Politik?

00:45:11: Weimar argumentiert natürlich so, wo staatliches Geld vergeben wird.

00:45:15: Muss der Staat auch Verantwortung übernehmen und seine Kritiker die es in hoher Zahl gibt waren dagegen vor einem Präsidentsfall und sagen wenn politische Stellen Jury Entscheidungen nachträglich korrigieren können dann gerät die Autonomiekulturelle Institutionen ins Banken.

00:45:31: Möglicherweise zeigt sich aber auch hier eben eine Grundspannung, die gegenwärtig im Literaturbetrieb immer wieder für Kontroversen sorgt.

00:45:39: Man hat das im vergangenen Jahr schon rund um den deutschen Verlagspreis gesehen, wo es ähnliche Diskussionen gab.

00:45:45: Denn es ist ja so, Preiseförderprogramme und Auszeichnungen berufen sich auf die Unabhängigkeit der Kunst werden aber fast immer aus öffentlichen Mitteln finanziert.

00:45:54: Es ist also die Frage ob hier eine Grenze überschritten wurde, aber auch wo diese Grenze zwischen Kulturförderung und politischer Kontrolle überhaupt verläuft?

00:46:02: Ja das wird gerade sehr intensiv diskutiert.

00:46:06: wir müssen glaube ich eine Sache dazusagen heute ist der zwölfte März das ist der Tag an dem wir aufnehmen.

00:46:14: Die Buchmesse fängt in einer knappen Woche an.

00:46:17: Genau!

00:46:18: Und wenn man durch den Blätter-Welt streift und die doch immense Kritik an Wolfram Weimar liest und zur Kenntnis nimmt, dann weiß man nicht ob dieser Kulturstaatsminister angezählt ist oder nicht?

00:46:32: Das stimmt.

00:46:33: Deswegen heißt diese letzte Rubrik ja auch Blick ins Jetzt und ich blicke in die Zukunft weil wir leider nichts sagen können was in wenigen Tagen oder einer Woche

00:46:40: es.

00:46:41: Wir können nicht hell sehen, wir können nicht wahr sagen.

00:46:44: Die letzten Erkenntnisse sind dass die betreffenden Buchhandlungen das sind drei andere Zahl, die keine Förderung erhalten haben wo zumindest nicht mit der ganzen Wahrheit konfrontiert worden sind.

00:46:57: Das BKM hat ihnen wohl mitgeteilt es ist Weimers Behörde Dass sich die Jury gegen sie entschieden hätte was nicht der Fall ist.

00:47:05: das ist ein fall den wir weiter beobachten müssen und vielleicht hat sich schon was geändert, wenn diese Episode für euch zuhören ist.

00:47:16: Ja, damit sind wir am Ende der heutigen Folge!

00:47:18: Wir freuen uns sehr, dass ihr zugehört habt und sind wie immer dankbar, wenn ihr die Folge teilt oder ein Like hinterlasst.

00:47:25: Bis zum nächsten Mal!

00:47:27: Bis zum Nächsten mal!

00:47:28: Tschüss!

00:47:30: Literatur.

00:47:30: in Betrieb ist ein Podcast

00:47:32: der LMU München.

00:47:34: Moderiert von Erika Tomala

00:47:36: um Laden Gladitsch Produziert von Poolartists Projektleitung Julia Tausz.

00:47:43: Redaktion und Skript Erika Tomala, Ladenbladitzch

00:47:47: und Julia

00:47:48: Taus Sounddesign Benjamin Meyer Papa Susanne Igelndt.

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